Am Sonntag, den 27. September 2015 konnte im Rahmen einer kleinen Feier die wiedererrichtete historische Gedenktafel für Anton Schiestl  - Begründer des Bozner Turnvereins u. der Freiwilligen Feuerwehr Bozen - am Bozner Pfarrplatz ihrer Bestimmung übergeben werden. Als Ehrengäste konnte Dr. Christoph von Ach, Initiator und Leiter des Projektes zur Wiedererrichtung der durch einen Bombenangriff durch die Alliierten 1943 zerstörten Gedenktafel, Vertreter aus der Politik, des Vereinslebens, sowie zahlreiche Bozner Bürger begrüßen. Unter den Ehrengästen befanden sich neben Altlandeshauptmann Dr. Luis Durnwalder, Vizebürgermeister Klaus Ladinser, Dr.-Ing. Christoph Oberhollenzer vom LFV, Dr. Ing. Ernst Preyer KDT der Berufsfeuerwehr Bozen , Dr. Eva Gratl von der  Stiftung Südtiroler Sparkasse, sowie Frau Paula Aspmair von Etschwerke Trading.  Anwesend waren auch Abordnungen  der Nachbarwehren, der Freiwilligen Feuerwehr Bruneck, der Sportvereine SSV Bozen/Brixen/Bruneck, der Schützenkompanie und Musikkapelle Bozen und der Mittelschulverbindung Laurins Tafelrunde. An die versammelte Festgemeinschaft richteten neben dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Bozen Stefan Ramoser  der Obmann der Akademischen Turnverbindung Innsbruck DI Horst Wessiak, die Präsidentin des SSV Bozen Evi Seebacher,  sowie der Vizebürgermeister der Stadt Bozen Klaus Ladinser Grußworte. Vor der Enthüllung der Gedenktafel durch die Künstlerin Sandra Heidenwolf, referierten noch  der Salzburger Feuerwehrhistoriker Adi Schinnerl und der Obmann des Tiroler Turngau im Österr. Turnerbund Prof. Dr. Herbert Maurer über das Lebenswerk von Anton Schiestl. In Innsbruck als Sohn eines Schlossermeisters und Hausbesitzers aufgewachsen, kam Anton Schiestl als Handwerksbursche 1850 nach München und in verschiedene andere Städte Bayerns, Württembergs, Thüringens und Sachsens. Hier lernte er das Turnen kennen. Die Militärpflicht führte ihn nach Hause zurück. Er diente zehn Monate im österreichischen Heer. Dann bildete er sich bei seinem Freund Franz Thurner zum Turnlehrer aus. 1856 wurde Thurner von der Universität Innsbruck als "wirklicher Turnlehrer" angestellt, im Jahr darauf Schiestl als Hilfsturnlehrer. Als 1859 der Krieg begann, rückte er als Zugsführer der Innsbrucker freiwilligen Scharfschützen ein und kam dabei auch nach Bozen. Hier gefiel es ihm so gut, dass er im September 1860 zurückkehrte, um eine Turnschule zu errichten. Schon im November desselben Jahres turnten über 100 Mann, sodass  es am 22. Jänner 1862 zur Gründung des Turnverein Bozen kam. Ende November 1862 trat Bürgermeister Dr. Joseph Streiter mit der Bitte an ihn heran, für die neu anzuschaffende Feuerwehrspritze der Stadt Bozen die Bedienungsmannschaft zu stellen. Daraufhin verpflichteten sich am 11. November 1863 74 Turner zum Eintritt in die Turner-Feuerwehr. Aus dieser ging am 17. Jänner 1874 die Freiwillige Feuerwehr Bozen hervor. Schiestl war vom 20. Dezember 1864 bis 1890 deren Kommandant. Vier Jahre nach seinem Tod, am 25. September 1904, wurde ihm zu Ehren an der damaligen Feuerwehrkaserne am Waltherplatz, wo jetzt das Stadthotel steht, feierlich ein Gedenkstein aus weißem Marmor enthüllt. Die Gedenktafel wurde von Andreas Kompatscher, dem bekanntesten Bildhauer der Jahrhundertwende im südlichen Tirol, geschaffen. Sie trug die Inschrift "Anton Schiestl, Turnlehrer und Feuerwehrhauptmann, Begründer des Turn- und Feuerwehrwesens dieser Stadt". Unter dem Bozner Stadtwappen (der sechszackige Bozner Stern wurde während der Zeit des Faschismus in einen fünfzackigen "italienischen Stern" umgemeißelt) befanden sich in drei Relieffeldern links ein Feuerwehrmann, der ein Kind aus den Flammen rettet, in der Mitte das Reliefporträt von Schiestl und rechts ein Turnlehrer mit Schüler. Darunter waren das Feuerwehr- und das Turnerwappen mit den 4 F angebracht. Genau 111 Jahre und einen Tag nach der Erstsegnung konnte nun die rekonstruierte Gedenktafel am Bozner Pfarrplatz von Domdekan Mag. Bernhard Holzer - mit musikalischer Umrahmung durch den Männergesangverein Gries – wieder feierlich gesegnet werden.